Im jährlichen Wechsel mit den Nachbarverbänden Ilvesheim und Schriesheim lag es dieses Jahr am Stadtverband Ladenburg, die gemeinsamen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit zu organisieren.

Nachdem unser 1. Vorsitzender Bastian Schneider letztes Jahr im Rahmen einer JU-Veranstaltung in Speyer eine Stadtführung mit Bernhard Vogel genießen durfte, dachte er sich, dass der ehemalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen der ideale Festredner für dieses Jahr sei. Zu unser aller Freude sagte der 1932 in Göttingen geborene Vogel gerne zu.

Nachdem Bastian Schneider Herrn Vogel sowie die Gäste, darunter unser Bundestagsabgeordneter Prof. Dr. Karl A. Lamers sowie unsere Landtagsabgeordnete Frau Julia Philippi, willkommen geheißen hatte, folgte ein Grußwort von Bürgermeister Stefan Schmutz. Er hatte mit der Aussage "ich oute mich gleich zu Beginn, dass ich das Parteibuch ihres Bruders habe" die Lacher auf seiner Seite, richtete aber angesichts der Bedeutung des Tages und der jüngsten Wahlergebnisse in Brandenburg und Sachsen auch nachdenkliche Worte an die Zuhörer. Der Bitte, sich ins goldene Buch der Stadt Ladenburg einzutragen, kam unser Gast im Anschluss gerne nach.

In einer weiteren Ansprache von Bastian Schneider fand dieser ebenfalls nachdenkliche Worte zum Festtag. Er schloss seine Ausführungen mit der Feststellung, dass die deutsche Einheit eine Einheit aller sei, "von Ost und West, rechts und links, alt und jung, Stadt und Land".

Dann trat Bernhard Vogel ans Mikrofon. Anfangs bedankte er sich für die Einladung und betonte, dass er immer gerne in die Region und nach Ladenburg komme. "Prof. Lamers ist ja quasi ein Nachfolger von mir, ich war ja ebenfalls Mitglied des CDU Kreisverbandes Heidelberg und Heidelberger Stadtrat" wies er auf sein frühes politisches Wirken in Heidelberg hin. "Und Ladenburg ist mit seinen frühen Siedlungsgebieten deutlich älter als Heidelberg" wies er sich zum Schmunzeln der Anwesenden als Kenner der Geschichte aus.

Dann stieg er in eine Zeitreise ein. 1919 gab es mit Gründung der Weimarer Republik die erste demokratische Verfassung in Deutschland. Da die junge Demokratie viele Feinde und zu wenige starke Verteidiger hatte, hielt sie sich leider nicht sehr lange. 1939 begann mit dem deutschen Überfall auf Polen der 2. Weltkrieg. 1949 präsentierte der Parlamentarische Rat das Grundgesetz für die sogenannte "Westzone". 1989 erzwangen die Bürgerinnen und Bürger der ehemaligen DDR den Fall der Mauer, dem 1990 die Wiedervereinigung folgte. "Jeder, der damals gelebt hat, weiß, wo er an diesem Abend war" stellte Bernhard Vogel unter zustimmendem Nicken der Zuhörer fest.
Er selbst war am 9.11.1989 mit Helmut Kohl in Warschau bei einem Treffen mit der ersten demokratischen gewählten Regierung Polens. Während des Treffens gingen diverse Zettel über die Ereignisse in Berlin über den Tisch. Helmut Kohl flog am nächsten Morgen nach Berlin, um sich ein Bild vor Ort zu machen. In der Folge ergriff der damalige deutsche Bundeskanzler die Gelegenheit und überzeugte Verbündete und insbesondere auch Michail Gorbatschow davon, dass die Deutsche Einheit eine positive Sache sei. Am Ende der Verhandlungen im September 1990 stand der sogenannte "Zwei-plus-Vier-Vertrag". Zwischenzeitlich fanden im März 1990 die ersten freien Volkskammerwahlen statt. Am 3. Oktober 1990 war es dann soweit, Deutschland war tatsächlich in Freiheit vereint. Bernhard Vogel nannte es einen "späten Sieg von Adenauer" über die diejenigen, die von einer andauernden deutschen Teilung sprachen. Denn damals wurde Adenauers Aussage "Einheit in Freiheit, damit es zur Freiheit in Einheit kommt" Realität.
Prof. Dr. Vogel war sehr ergriffen, als er damals die jetzt gesamtdeutsche Flagge vor dem Reichstag wehen sah: "Ich habe an die Wiedervereinigung geglaubt und auf sie gehofft. Ich war mir aber nicht sicher, ob ich sie erlebe." Jetzt hatte er sie erlebt und war, das darf man so sagen, einer der Protagonisten auf dem Weg zu dieser Einheit. Aber auch im weiteren Verlauf des Einigungsprozesses sollte noch eine Rolle auf ihn zukommen. "Anfang 1992 erhielt ich einen Anruf von Helmut Kohl, ich solle sofort nach Erfurt kommen. Dann bin ich direkt los, ohne Zahnbürste und zweites Hemd und blieb für 11 1/2 Jahre." Damit kleidete er den Beginn seiner Tätigkeit als Ministerpräsident in Thüringen in humorvolle Worte. Im Anschluss machte er allerdings deutlich, dass der Aufbau der neuen Bundesländer ein gewaltiges Stück Arbeit bedeutete. "Niemand hatte einen Plan, wie wir die Einheit zum Erfolg führen. Es gab zwar eine Menge Bücher über den Sozialismus beziehungsweise den Weg dahin, aber keines, das einem den Weg vom Sozialismus in die soziale Marktwirtschaft aufzeigte." So sei es schlicht und einfach wirtschaftlich nicht machbar gewesen, alle Arbeitsplätze zu erhalten. Als Beispiel führte er den Wechsel von der Wartburg-Produktion mit 10.000 Beschäftigten zu einem neuen Opel-Werk mit 2.000 Beschäftigten an. Die Ablösung der Planwirtschaft durch Angebot und Nachfrage sorgte in vielen Betrieben dafür, dass die im Wettbewerbsvergleich mangelnde Produktivität aufgedeckt wurde. Durch Einsatz vieler Männer und Frauen in Politik, Ehrenamt und Wirtschaft – aus Ost und West -, einem Ministerium für gesamtdeutsche Fragen, aber auch der oft gescholtenen Treuhand wurde der Wandel vorangetrieben. "Anfang der 90er hatten wir in Thüringen eine Arbeitslosigkeit von 20%, heute liegt sie unter der von NRW" machte Vogel deutlich, dass trotz weiterhin vieler kritischer Stimmen durchaus Erfolge erzielt wurden. Er machte aber auch klar, dass aus dem Westen neben vielen, die helfen wollten und dies auch taten, auch einige "schwarze Schafe" kamen, die "nur auf Posten geschielt" haben.
Sein Resümee der Zeitreise im Allgemeinen und der Einheit im Speziellen lautete dann: Alles in allem ist die Einheit gelungen, auch wenn noch viel zu tun bleibt. Die Hinterlassenschaften des Sozialismus machen uns immer noch zu schaffen. Wer nach 40 oder 50 Jahren aus seiner Lebenssituation gerissen wird, hat (andere) Probleme als diejenigen, die stabile Verhältnisse hatten. Wir sollten nicht mehr von Ossis und Wessis reden. Es sind mehr Bayern in Thüringen gewesen als in Schleswig-Holstein. Wir wollen nicht, dass alles gleich und alle gleich sind. Deutschland lebt von den unterschiedlichen Stärken seiner Regionen. Die "Vielfalt in Einheit" muss unser Ziel sein.

Danach ging er noch auf das Wählerverhalten und stellte fest "Protest wählt AfD". Früher hat der Protest die Linke gewählt, diese sind jetzt aber in vielen Landesregierungen. Die Frage sei es, wie mit diesem Protest angemessen umzugehen sei.

Der heutigen Generation gebe er zwar keine Ratschläge – "denn das sind auch Schläge" – erinnere sie aber daran, dass sie Verantwortung übernehmen darf und muss, insbesondere bei neuen Themen und Herausforderungen, vor denen Deutschland, Europa und die Welt stehe, Stichworte Brexit und Trump.

Mit seinen Schlussworten gab er den Anwesenden noch Motivation mit auf den Weg: "Wenn ich 1950 vorausgeschaut hätte, hätte ich vieles nicht für möglich gehalten. Lassen Sie uns also auch heute die Ärmel hochkrempeln und die Herausforderungen angehen. Heute ist ein Tag zum Mutmachen. Freiheit ist nicht kostenlos. Lassen Sie uns dafür kämpfen."

Nachdem es auch schon davor immer wieder zu Zwischenapplaus kam, gab es von den Anwesenden jetzt einen lang anhaltenden Schlussapplaus für die rund 50-minütige kurzweilige und an vielen Stellen ergreifende Rede.
Am Ende erhielt Bernhard Vogel als kleines Dankeschön noch Kulinarisches aus der Region, eine Flasche Wein und ein Stück Schokolade.

Auch beim abschließenden Sektempfang blieb der ehemalige “doppelte” Ministerpräsident noch eine ganze Weile und unterhielt sich angeregt mit Gästen.

Die CDU Stadtverbände Ladenburg, Ilvesheim und Schriesheim mit ihren Vorsitzenden Bastian Schneider, Sandra Bühler und Christiane Haase sagen ganz herzlich Dankeschön für diesen einprägsamen Vortrag.

Bericht im Mannheimer Morgen

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